Kupferhäuser in Potsdam: Architektur und deutsch-jüdische Geschichte neu entdecken


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Kupferhäuser zwischen Bauhaus, jüdischer Industriegeschichte und Emigration
Am 12. November 2026 lädt die Veranstaltungsreihe Nahaufnahme Brandenburg – Moses im Museum zu einem eindrucksvollen Vortrag ins Brandenburg Museum in Potsdam ein. Dr. Ines Sonder vom Moses Mendelssohn Zentrum folgt der Geschichte außergewöhnlicher Fertighäuser aus Eberswalde und eröffnet einen präzisen Blick auf Architektur, jüdische Wirtschaftsgeschichte und die materiellen Spuren deutsch-jüdischer Emigration nach Palästina.
Eine Mustersiedlung aus Kupfer
Am Fuße des Wasserturms im Messingwerk Eberswalde entstand 1931/32 eine Mustersiedlung aus acht vorgefertigten Kupferhäusern. Die ungewöhnliche Konstruktion verband industrielle Fertigung mit moderner Architektur. An ihrer Entwicklung war auch Walter Gropius beteiligt, der als Gründer des Bauhauses zu den prägenden Gestaltern der klassischen Moderne zählt.
Architektur als bewegliches Zuhause
Die Werkbetrachtung richtet den Blick auf Häuser, die nicht nur gebaut, sondern als zerlegbare Architektur transportiert werden konnten. Nach 1933 wurden die Kupferhäuser gezielt deutsch-jüdischen Emigrantinnen und Emigranten angeboten. Modelle mit Namen wie Haifa, Tel Aviv oder Jerusalem gelangten als Umzugsgut nach Palästina und konnten dort am neuen Wohnort wieder aufgebaut werden.
Jüdische Industriegeschichte und materielle Erinnerung
Die Geschichte der Kupferhäuser ist eng mit der jüdischen Industriellenfamilie Hirsch verbunden, die das Messingwerk über mehrere Generationen prägte. Der Vortrag verbindet wirtschafts- und technikgeschichtliche Perspektiven mit der Geschichte von Verfolgung, Emigration und Neubeginn. Einige der Häuser sind in Israel bis heute erhalten und machen historische Migration durch ihre konkrete Materialität erfahrbar.
Kulturelle Bildung im Museum
Die Veranstaltung versteht sich als wissenschaftlich fundierte Vermittlung zwischen Brandenburgischer Landesgeschichte, moderner Architektur und jüdischer Erinnerungskultur. Im Mittelpunkt stehen die ästhetische Erfahrung industriell geprägter Architektur, die Raumwirkung vorgefertigter Gebäude und die Frage, wie Objekte, Häuser und Materialien biografische Brüche über Generationen hinweg sichtbar machen.
Fazit: Geschichte wird vor Ort begreifbar
Der Vortrag von Dr. Ines Sonder verspricht ein konzentriertes Kunsterlebnis und eine erkenntnisreiche Werkbetrachtung an der Schnittstelle von Bauhaus-Geschichte, jüdischer Industriegeschichte und Migration. Wer Brandenburgs Vergangenheit aus einer neuen Perspektive erleben und die materiellen Spuren deutsch-jüdischer Geschichte verstehen möchte, sollte diesen kostenfreien Abend im Brandenburg Museum nicht verpassen.
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